Optometrie

Mit den richtigen Lösungen, so lange wie nötig Unterstützung zu geben, ohne eine Abhängigkeit zu erzeugen

Sehe ich alles?

Haben Sie sich diese Fragen bereits einmal gestellt?

Längeres Lesen ist sehr anstrengend? Sie können sich nur schwer konzentrieren, reagieren empfindlich auf Sonne oder fahren nachts ungern Auto, weil Sie sich unsicher fühlen?
Was tun?
Möchten Sie etwas dagegen unternehmen? Ihre Leistungen in Beruf, Schule oder beim Sport verbessern? Unsere Sehleistungen helfen Ihnen besser zu sehen. Visuelle Wahrnehmung bedeutet viel mehr als nur scharf zu sehen.

Welche Untersuchung brauche ich?

Computer-Sehtest

Ein Sehtestcomputer misst, ob das Auge eine Sehschwäche hat, ob eine Kurz- oder Weitsichtigkeit oder eine Hornhautverkrümmung vorliegt und deren ungefähre Stärke. Ideal, um schnell einen groben Überblick zu bekommen. Für Kinder in der Regel ungeeignet. Einen Computer-Sehtest können Sie jederzeit ohne Termin und kostenlos bei uns machen.

 

Führerschein-Sehtest

Dieser amtliche Sehtest, mit einem Einblickgerät durchgeführt, prüft die minimalen Anforderungen an die Sehschärfe im Straßenverkehr. Wie beim Computer-Sehtest werden viele wichtige Sehfunktionen nicht geprüft. Die Minimalanforderungen des Führerschein-Sehtest reichen heute für viele Sehaufgaben nicht aus. Der Führerschein-Sehtest ist jederzeit ohne Termin für die amtliche Gebühr von 6,50 Euro machbar.

 

Seh- oder Brillentest

Ein Sehtest bezeichnet die Messung der Sehstärke. Dabei wird nur jedes Auge einzeln auf Kurz- oder Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Nahsehen geprüft. Wichtige Sehfunktionen, wie die Zusammenarbeit der beiden Augen, das räumliches Sehen und vieles andere werden nicht geprüft. Der Zeitaufwand beträgt nur wenige Minuten. Diese Messung ohne Prüfung wichtiger Sehfunktionen wird von uns nicht angeboten.

 

Sichtbetont Augenuntersuchung

Unsere Augenuntersuchung umfasst die komplette Grunduntersuchung der wichtigen Sehfunktionen. Zunächst wird die bisherige Augengeschichte erfasst, bisher verwendete Sehhilfen und eventuell vorhandene Sehprobleme besprochen. Nach einigen Funktionstesten grundsätzlicher Sehfunktionen wird jedes Auge einzeln auf einen Sehfehler geprüft. Anschließend erfolgt die wichtige Prüfung, wie beide Augen gemeinsam sehen. Auch das räumliche Sehen und die Augendominanz werden gemessen.
Anschließend kann von uns eine Brille verordnet werden, oder es werden Contactlinsen angepasst. Der Zeitaufwand liegt bei 15 bis 30 Minuten. Am besten einen Untersuchungstermin mit uns vereinbaren.

 

Visuelle Analyse

Bei bestimmten Sehproblemen reichen die Ergebnisse der normalen Augenuntersuchung nicht aus, um ein komplettes Bild der visuellen Wahrnehmung zu bekommen. Dies trifft vor allem zu, wenn die beiden Augen nur mangelhaft zusammenarbeiten. Wenn das Fixieren und Festhalten eines Gegenstands oder Wortes anstrengend ist, oder generell das Sehen stärkere Anstrengungsbeschwerden verursacht. Dann müssen weitere Teste und meist eine genaue Untersuchung der Zusammenarbeit beider Augen durchgeführt werden. Der Zeitaufwand kann dann bei über einer Stunde liegen. Dazu ist unbedingt eine Terminvereinbarung notwendig.

 

Aberrometrie

Wir setzen als einer der ersten in Deutschland eine neue revolutionäre Messtechnologie ein. Diese ermöglicht es erstmals, bisher nicht erfassbare Fehler der Augen zu messen und diese mit speziellen Brillengläsern zu korrigieren. Diese Fehler können zu Unschärfen, hoher Blendempfindlichkeit oder reduziertem Kontrast führen. Der Zeitaufwand beträgt ca. 15 Minuten, ist nur nach Terminvereinbarung möglich.

 

Untersuchung bei Kindern

Bei Kindern können wir schon in den ersten Lebensjahren die meisten Sehfunktionen messen. Dies ist auch ohne verbale Mitarbeit eines Kleinkindes möglich. Bis zum 3. Lebensjahr sollte eine, über die normalen Sehteste der allgemeinen Untersuchungen hinausgehende, genaue Prüfung der visuellen Fähigkeiten durchgeführt werden. Die nächste spätestens vor der Einschulung und später regelmäßig alle 1 bis 2 Jahre. Der Zeitaufwand der Kinderuntersuchung beträgt zwischen 15 und 30 Minuten, je nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes. Eine Terminvereinbarung ist notwendig.

 

Untersuchung bei Lese- und Rechtschreibproblemen

Lese- und Rechtschreibprobleme, Anstrengungsbeschwerden beim Lesen, Lese- oder Malunlust und Konzentrationsstörungen können auch visuelle Ursachen haben. Um dies abzuklären, müssen neben der normalen Kinderuntersuchung weitere Teste durchgeführt werden. Dazu zählen unter anderem, eine Untersuchung, wie schnell die Augen sich auf unterschiedliche Entfernungen einstellen können, die visuelle Konzentration und ein Leseleistungstest. Der Zeitaufwand beträgt etwa 1 Stunde. Bitte auch hier unbedingt vorher einen Termin vereinbaren.

 

Sport-Optometrie

Nach einer gründlichen Augenuntersuchung können zahlreiche beim Sport wichtige Sehfunktionen gemessen werden. Dazu zählen Untersuchungen, wie schnell visuelle Informationen verarbeitet werden, wie schnell die Augen sich auf unterschiedliche Entfernungen einstellen können, Gesichtsfeldteste, Fixationsteste und viele weitere. In vielen Fällen kann durch eine Sehhilfe oder Vision-Therapy(Augentraining) eine deutlich bessere Leistung erreicht werden.

 

Augeninnendruckmessung

Die Messung des Augeninnendrucks ist eine wichtige Vorsorgeuntersuchung für die Gesundheit der Augen. Sie sollte ab dem 40. Lebensjahr alle 2 Jahre durchgeführt werden. Sie dient dazu, eines von mehren Risikofaktoren des Glaukoms zu erfassen. Der Zeitaufwand beträgt etwa 5 Minuten, ohne Terminvereinbarung möglich.

 

Kontrastsehen

Bei normalen Sehtesten werden schwarze Sehzeichen auf weißem Hintergrund angeboten. Man spricht von einem Hochkontrasttest. Oft lassen sich spezielle Sehprobleme aber erst bei schwachem Kontrast, graue Buchstaben auf weißem Grund, erfassen. Kontrastsehteste können diese Sehprobleme aufdecken. Die Messung des Kontrastsehens setzt eine vorherige gründliche Augenuntersuchung voraus. Zeitaufwand zusätzlich 5 bis 10 Minuten.

 

Farbsehen

Mit speziellen Farbtesttafeln oder einem Computerprogramm wird das Farbunterscheidungsvermögen geprüft. Zeitaufwand zusätzlich 5 Minuten.

Bildschirmarbeitsplatz-Untersuchung

Nach Vorschrift der Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung werden grob Sehschärfe in verschiedenen Entfernungen, Farbsehen, Kontrastsehen, räumliches Sehen, Zusammenarbeit der beiden Augen und zentrales Gesichtsfeld geprüft. Zeitaufwand etwa 20 Minuten, bitte unbedingt vorher einen Termin vereinbaren. Übrigens haben Beschäftigte, die mehr als 2 Stunden täglich am PC arbeiten, ein Anrecht, diesen Test durchführen zu lassen. Die Kosten müssen vom Arbeitgeber getragen werden.
Sollte es sich zeigen, dass für den PC Arbeitsplatz spezielle Brillengläser notwendig sind, so müssen diese bezahlt werden.

 

Qualität

Wir bilden uns regelmäßig auf den wichtigen nationalen und internationalen Kongressen fort. Unsere Mitarbeiter sind überdurchschnittlich qualifiziert und setzen modernste Technik ein. Zahlreiche wissenschaftliche Studien, Vorträge und Publikationen in Europa und Amerika sind in unserem Hause entstanden. Dieses Know-how setzen wir gerne für Sie ein.

 

Kosten

Ihr Kostenbeitrag ermöglicht es uns, innovative Technologien als Erste für Sie einzusetzen, uns auf hohem Niveau fortzubilden und uns die Zeit für Ihre Augen zu nehmen, die eine gute Lösung Ihres Sehproblems erfordert.

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Vorsicht, Sie haben zwei Augen!

Die 2 Grundregeln des Sehens

1. Sehschärfe

Jedes der beiden Augen muss von Nah bis Fern deutlich sehen. Sehfehler wie Kurz- oder Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung oder Altersichtigkeit können zu einer Verringerung der Sehschärfe führen. Mit Buchstaben oder Zahlenlesen kann die Sehschärfe geprüft werden.

2. Beide Augen müssen zusammenspielen

Damit Sehen optimal funktioniert, müssen beide Augen so zusammenarbeiten, als ob nur eines vorhanden wäre. Die zwei Augen müssen sich auf das angeblickte Objekt ausrichten und zielen.



Beidäugiges Sehen

Jedes unserer Augen hat 6 äußere Augenmuskeln und einen Ziliarmuskel im Auge. Diese Muskeln ermöglichen es den beiden Augen gemeinsam in die gleiche Richtung zu schauen, auf ein nahes Objekt zu zielen und sich auf kurze Entfernung einzustellen.

Assoziierte Phorie (Winkelfehlsichtigkeit)

Die äußeren Augenmuskeln haben bei jedem Menschen eine Einstellung, in der alle 12 Muskeln gleich belastet sind. In dieser Stellung sind alle Muskeln im Gleichgewicht und entspannt. Bei den meisten Menschen entspricht diese Gleichgewichtsstellung nicht der Parallelstellung. Dies bedeutet, dass die Augen nicht exakt zielen wollen. Man spricht dann von einer assoziierten Phorie (Winkelfehlsichtigkeit). Etwa 80%. aller Menschen haben eine solche assoziierte Phorie.
Die meisten Augenpaare können dies gut ausgleichen. Dabei müssen mehrere Muskeln zusätzlich die assoziierte Phorie ausgleichen, damit nicht doppelt gesehen wird.
Bei einigen Menschen verursacht dieser zusätzliche Ausgleich jedoch Beschwerden.

Beschwerden bei einer Phorie

Anstrengungsbeschwerden bei konzentrierten Sehaufgaben wie PC oder längerer Naharbeit sind oft die ersten Anzeichen. Augendruckgefühl, müde Augen, Verschwimmen der Buchstaben bei langem Lesen oder PC-Arbeit sind typische Anzeichen. In vielen Fällen haben Kopfschmerzen, Wetterfühligkeit bis hin zur Migräne ihre Ursachen in einer mangelnden Zusammenarbeit der beiden Augen.
Verzögerte Anpassung der Augen an sich ändernde Sehbedingungen, z. B. Helligkeitswechsel oder Entfernungswechsel werden oft bemerkt. Ebenso kann Doppeltsehen, das bei Konzentration verschwindet, auftreten.

Räumliches Sehen

Eine mangelhafte Zusammenarbeit der beiden Augen kann zu einer Verschlechterung des räumlichen Sehens führen. Räumliches Sehen ist die Grundlage der Augen-Hand-, Augen-Fuß Koordination, der Orientierung im Raum oder in einem Text und der Einschätzung von Entfernungen. Reduziertes räumliches Sehen führt besonders in der Dämmerung zu Orientierungsproblemen.

Blendempfindlichkeit

Oft reagieren die Augen bei einer schlecht kompensierten Phorie verlangsamt auf Veränderung der Helligkeit. Dies führt zu einer erhöhten Blendempfindlichkeit, sowohl bei hellem Licht als auch bei Blendung nachts im Straßenverkehr.

Konzentration und Lesen

Beim Lesen, Naharbeiten und am Computer kann es neben schneller Ermüdung zu Konzentrationsstörungen kommen. Auftreten von Flüchtigkeitsfehlern, Verschwimmen oder Doppeltsehen von Buchstaben sind typische Anzeichen von visuellen Problemen im Nahbereich. Kinder mit Lese- und Rechtschreibproblemen haben in vielen Fällen Probleme mit der Zusammenarbeit ihrer Augen.

Wie wird eine assoziierte Phorie festgestellt?

Mit speziellen, meist polarisierten Testen werden dem rechten und dem linken Auge unterschiedliche Objekte gezeigt. Damit lässt sich die Gleichgewichtsstellung der Augen bestimmen. Der Zeitaufwand für eine Messung der Zusammenarbeit der Augen ist deutlich höher als für eine einfache Brillenglasbestimmung. Manchmal lässt sich eine endgültige Aussage erst nach mehreren Messungen machen.

Wie wird eine assoziierte Phorie korrigiert?

Es stehen mehrere Wege der Korrektur zu Auswahl.

1) Brille

Oft wird die Zusammenarbeit der beiden Augen durch latente Sehfehler, wie zum Beispiel eine sonst kaum zu bemerkende Hyperopie (Weitsichtigkeit) gestört. In diesen Fällen kann mit einer einfachen Brille geholfen werden.

2) Prismenbrille

Besteht der Verdacht, dass die Zusammenarbeit der beiden Augen Beschwerden verursacht, ohne das eine latente Kurz -oder Weitsichtigkeit die Ursache ist, so können spezielle Brillengläser getragen werden. In diese wird ein Prisma eingebaut. Dieses ermöglicht den Augen in eine angenehme Stellung zu gehen und so weniger Anstrengung für das Zielen zu benötigen.

3) Vision Training

Wie die meisten Muskeln kann man auch die Augenmuskeln trainieren. Optometrisches Vision Training hat zum Ziel, die Fähigkeit der Augenmuskeln eine Phorie zu kompensieren und zu stärken. Zusätzlich lässt sich das Gefühl für die Anpassung der Augen an unterschiedliche Anforderungen trainieren. Vision Training unterstützt eine bewusste visuelle Wahrnehmung.

4) Operation

Wie eine Kurzsichtigkeit kann auch eine hohe Phorie operativ behandelt werden. Dabei wird ein Augenmuskel verlagert. Dies ist nur angezeigt, wenn Brille oder Training nicht gewünscht wird oder eine sehr hohe Abweichung ausgeglichen werden muss. Das Risiko ist bei diesem Eingriff deutlich geringer als zum Beispiel bei der Laserbehandlung einer Kurzsichtigkeit.



Einige häufig gestellte Fragen

Wird das komplette beidäugige Sehen denn nicht immer bei der Brillenmessung erfasst?

Leider ist die komplette Analyse der Zusammenarbeit beider Augen derzeit noch die Ausnahme. Hoher Zeitaufwand, mangelnde instrumentelle Ausrüstung und fehlende spezielle optometrische Kenntnisse führen oft dazu, dass das genaue Zusammenspiel beider Augen nicht komplett geprüft wird.

Schielen die Augen bei einer assoziierten Phorie (Winkelfehlsichtigkeit)?

Nein, Schielen bedeutet, dass jedes der beiden Augen für sich arbeitet. Beide Augen arbeiten also nicht zusammen.Meist wird beim Schielen ein Auge abgeschaltet. Bei einer Phorie arbeiten beide Augen weiter zusammen. Sie tun dies jedoch unter einer Belastung, die in manchen Fällen zu den beschriebenen Beschwerden führen kann.

Werden die Augenmuskeln durch eine Brille faul?

Die Augenmuskeln sorgen für eine Beweglichkeit der Augen in alle Richtungen und das Zielen der Augen beim Lesen. Auch wenn eine Brille getragen wird, müssen und sollen sie dies weiter in gleichem Maße tun. Die Leistungsfähigkeit der Augenmuskeln wird durch eine Brille nicht gemindert. Durch Vision Training kann sie sogar verbessert werden.

Was ist Optometrie?

"Die Optometrie ist ein unabhängiger, ausgebildeter und geregelter Gesundheitsberuf. Optometristen sind die primären Dienstleister für den Gesundheitsstatus des Auges und des visuellen Systems. Dies beinhaltet die Refraktion, die Sehhilfenanpassung, die Abgrenzung von Augenkrankheiten und die Wiederherstellung normaler Zustände des visuellen Systems."
Definition des World Councils of Optometry



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Allgemein Dr. med. Uwe Wulff

Immer wieder ein Rätsel sind speziell in der Grundschule die Kinder, die trotz normaler bis guter Intelligenz und Unterstützung durch das Elternhaus in der Schule unerwartet schlecht abschneiden. Insbesondere Kinder mit Konzentrationsschwäche und deutlichen Auffälligkeiten beim Lesen und Schreiben erweisen sich oft als weitgehend förder- und therapieresistent. Der Aufwand für die Förderung dieser Kinder steht in keinem Verhältnis zum Erfolg der Maßnahmen. Dies war mit ein Grund dafür, dass z.B. die in Berlin in den 70er Jahren entstandene "Legasthenie-Förder-Euphorie" schnell der Ernüchterung wich. Der Begriff "Legasthenie" wurde ersatzlos aus dem amtlichen Vokabular der Gründe für besondere Förderung von Schülern gestrichen. Die Legasthenie wird auch bezeichnet als Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder als Störung von Lesen und Rechtschreibung bei normaler Gesamtintelligenz (Teilleistungsschwäche) infolge auditiver und visueller Wahrnehmungsstörungen (auditiv: das Hören betreffend, visuell: das Sehen betreffend). Die Ursachen der Legasthenie sind ungeklärt und deshalb gibt es bisher auch keine ursächliche Therapie und Heilungsmöglichkeit. Es wird je nach bestehenden Auffälligkeiten eine symptomatische Therapie empfohlen, die zu einem erfolgreicherem Lernen führen soll. Der Hinweis auf bestehende visuelle Wahrnehmungsstörungen hat schon seit etwa drei Jahrzehnten dazu geführt, dass in Einzelfällen bei Kindern mit Auffälligkeiten beim Lesen und Schreiben alle bestehenden Sehfehler in der Zusammenarbeit beider Augen genau gemessen und mit speziellen Prismenbrillen korrigiert wurden. Dieses Vorgehen erfolgte ohne Berücksichtigung, ob eine ärztlich diagnostizierte Legasthenie vorlag oder nicht.


Die daraus gesammelten positiven Erfahrungen führten langsam und von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt zu einer Neubewertung des erheblichen Einflusses solcher Fehler des beidäugigen Sehens auf die vorschulische und schulische Leistungsfähigkeit. Zufällig kamen dann im Schuljahr 1991 Lehrer einer Berliner Grundschule im Zusammenhang mit der Suche nach Hilfe für zwei Kinder, deren Lese- und Schreibfähigkeiten im zweiten Schuljahr immer schlechter statt besser wurden, auch in Kontakt mit einem Berliner Augenarzt, der seit mehr als zwei Jahrzehnten Störungen des beidäugigen Sehens mit Prismenbrillen korrigiert. Die beiden Kinder waren zwar Brillenträger, schienen aber dennoch weiterhin erhebliche Sehstörungen zu haben. Wie sich dann herausstellte, hatte das eine Kind mit der alten Brille noch eine Restsehfähigkeit von 20%. Eine Hornhautverkrümmung war nicht korrigiert. Das andere Kind trug Gläser wegen angeblicher Übersichtigkeit. Es war aber nicht übersichtig, sondern hatte eine vorher nicht erkannte Winkelfehlsichtigkeit (Erläuterung dieser Störung des beidäugigen Sehens erfolgt weiter unten). Vier Wochen nach Verordnung einer diesen Sehfehler korrigierende Prismenbrille kam der Vater in die Schule, um sich darüber zu "beschweren", dass das Einkaufen-Gehen mit seinem Sohn jetzt nicht mehr eine halbe Stunde, sondern drei bis vier Stunden dauert: Sein Sohn sei von den Regalen nicht mehr wegzubekommen, er wolle den Text auf allen Verpackungen lesen. Seitdem werden in größerem Umfang, verursacht auch durch die Versendung eines Informationsbriefes des Berufs-verbandes der Augenärzte an alle Schulen, von betroffenen Eltern, Lehrern, Ergotherapeuten und Kinderärzten teilweise überraschende, jedenfalls aber zunehmend ermutigende Erfahrungen über die Auswirkungen der vollständigen Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit auf das Lern- und Leistungsverhalten von Schülern gesammelt.

 

Auffälligkeiten der Kinder

Feinmotorik und Schreiben

  • Ungeschicklichkeit und Entwicklungsrückstand beim Malen, Ausmalen und Ausschneiden (eckig, übermalen, schlechte Positionierung einzelner Elemente und ähnliches).
  • Vermeidungshaltung bis Abwehrhaltung gegenüber Malen und Schreiben bis hin zu aggressiven Handlungen gegenüber der Arbeit anderer Kinder.
  • Krakelige Handschrift, ungleichmäßig große Buchstaben, schlechte Linienhaltung.
  • Unsystematische Rechtschreibfehler (Flüchtigkeitsfehler), ausgelassene oder verdoppelte Buchstaben, Vertauschen benachbarter Buchstaben, Verwechseln ähnlicher Buchstaben (b und d), länger oder häufiger spiegelbildliches Schreiben. Beim Abschreiben werden ganze Wörter oder Zeilen ausgelassen oder verdoppelt.
  • Fehlende Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit.
  • Verlangsamte Tätigkeit (für drei Wörter wird eine Stunde benötigt) oder schnell - oberflächlich - ungenau.

 

Grobmotorik

  • Oft schon in der Kleinkindzeit Auffälligkeiten in der Grobmotorik. Unsicherheit bei Ballspielen, Bewegungs- und Koordinationsprobleme, gestörte räumliche Orientierung, verlangsamte Bewegungen. Manchmal besteht eine so ausgeprägte Hypermotorik, dass dann sogar eine medikamentöse Therapie empfehlenswert sein kann.

 

Lesen

  • Lesen von Wörtern, die nicht im Text stehen.
  • Auslassen oder Doppeltlesen von Wörtern oder ganzen Zeilen.
  • Langwieriger Übergang zum sinnentnehmenden Lesen.
  • Schnelles Ermüden, ohne dass dies subjektiv benannt werden kann.
  • Ausdauer-, Motivations- und Konzentrationsprobleme.
  • Probleme, einen Text mit einmaligem Lesen inhaltlich zu verstehen. Dagegen oft keine Probleme, wenn derselbe Text vorgelesen wird.
  • Im allgemeinen lesen die Kinder entweder ungern, nicht freiwillig oder sie benötigen spätestens nach ein paar Seiten eine Pause. Sie können keine Sehprobleme beim Lesen beschreiben, sondern finden Lesen einfach "doof" oder "langweilig".

 

Rechnen

  • Meist überraschend wenig Probleme im Vergleich zum Lesen und Schreiben. 0ft sehr gute Kopfrechen-Fähigkeiten bei ziemlich katastrophaler Heftführung. Manchmal aber auch massive Störungen in der Entwicklung des Zahlenverständnisses und der Mengenvorstellung, wofür als Erklärung das "Durcheinanderrutschen" der Einzelbilder der beiden Augen in der Phase der Entwicklung grundlegender Mengenvorstellungen (2. bis 4. Lebensjahr) denkbar ist.
  • Den Lehrern und Eltern unverständlich ist bei den Kindern, die zunächst im Rechnen immer gut waren, das weitgehende Versagen bei Textaufgaben, auch bei solchen, die vom mathematischen Gehalt her keine höheren Anforderungen stellen. Bestehende Auffälligkeiten beim Lesen wirken sich hier erst zu diesem Zeitpunkt deutlich aus.

 

Verhalten

  • Problematisches Leistungsverhalten mit den unterschiedlichsten Ausprägungen. Die üblichen Charakterisierungen dieser Kinder in Elterngesprächen:
    – "Er kann ja, wenn er will" (nur: er will so selten...)
    – "Er muss lernen, sich zu konzentrieren"
    – "Zappelphillip" oder "Klassenclown"
    – "Wenn man neben ihm sitzt und ihn immer wieder ermuntert, geht es ja"
    – "Sooo verträumt" (aber auch: "sooo verspielt")
    – "Wenn gearbeitet werden soll, fallen ihm immer tausend andere Dinge ein".
  • Gelegentlich werden diese Kinder wegen ihrer isolierten Leistungsausfälle bei normaler Intelligenz in die ja leider nicht einheitliche Kategorie MCD (Minimale Cerebrale Dysfunktion) eingeordnet. Hirnorganische Defekte sind bisher nicht nachgewiesen worden (höchstens gelegentlich Hinweise auf verstärkte Durchblutung im Bereich des Seh- und Hörzentrums, insbesondere bei Kindern mit begleitender Kopfschmerz-Problematik). Relativ typisch ist eine große Diskrepanz zwischen gutem Sachwissen und reger mündlicher Beteiligung bei gutem Merkvermögen einerseits und großen Problemen in Stillarbeitsphasen, bei der Erledigung von Hausarbeiten und schriftlichen Arbeitsaufträgen andererseits. Überwiegend finden sich mehrere der beschriebenen Symptome. Selten sind beispielsweise "Leseratten" mit isolierter Rechtschreibproblematik oder Kinder, die in der Schule in allen Bereichen gute Leistungen zeigen, von denen die Eltern aber berichten, dass sie nach der Schule entweder überdreht oder völlig erschöpft sind.
  • Bei den von großen Schulproblemen betroffenen winkelfehlsichtigen Kindern ist bis zur Brillenkorrektion im allgemeinen ein "umgekehrter Übungseffekt" beobachtbar: Je mehr geübt wird, desto schlechter werden die Leistungen.
  • Bei manchen Kindern entwickeln sich erst im Laufe der Grundschulzeit Probleme. Es kann sich eine Winkelfehlsichtigkeit erst im Zusammenhang mit dem Wachstum ergeben haben. Oder die zentralnervösen Kompensationsfähigkeiten können bei zunehmenden Anforderungen der Schule nachlassen. Diese Kinder haben also zunächst gut Lesen und Schreiben gelernt. Dann zeigt sich in der 4. oder Anfang der 5. Klasse eine überraschende und drastische Verschlechterung der Rechtschreibleistung und Konzentrationsfähigkeit. Nach Brillenkorrektion der Winkelfehlsichtigkeit erfolgt spontanes und vollständiges Wiedererlangen des alten Standes.Bei einigen Schüler sind dann Diktate mit zunehmenden Fehlern ein zuverlässiger Indikator für die Notwendigkeit einer Nachkorrektion der Prismengläser.

 

Anstrengungsbeschwerden

  • Relativ häufig bestehen augenbedingte Kopfschmerzen, die oft auch in der Familie vorkommen. Sie sind oft mit starker Lichtempfindlichkeit während der Kopfschmerz-Phase verbunden. Leider werden Kopfschmerzen bis zu einmal wöchentlich als "normal" oder nicht erwähnenswert angesehen. Hier empfiehlt sich genaueres Nachfragen. Kinder, die außerhalb fiebriger Erkrankungen zu Kopfschmerzen neigen, haben zu oft welche.
  • Neigung zu Übelkeit und Schwindel.
  • Neigung zu roten Augen, besonders nach der Schule und abends.
  • Neigung zu Augenblinzeln, Augenzucken, Augenkneifen, Augenreiben.
  • Neigung zu trockenen Augen oder zu verstärktem Tränenfluss, Druckgefühl in Augennähe.
  • Kinder mit Winkelfehlsichtigkeiten in vertikaler Richtung neigen oft zu leichter bis deutlicher Schiefhaltung des Kopfes, teilweise mit Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule. Diese sind orthopädisch nachweisbar und halten dann als einleuchtende Erklärung für die Kopfschmerzen her.

 

Allgemeines

  • Eigenartigerweise reagieren verschiedene Kinder auf eine gleich große Winkelfehlsichtigkeit mit völlig unterschiedlichen, teilweise gegensätzlichen Auffälligkeiten. So kann ein Kind hypermotorisch sein, das andere stark verlangsamt oder sogar apathisch. Es gibt bisher keinen Vorsorgetest, mit dem eine Winkelfehlsichtigkeit festgestellt werden kann, zumal jedes Kind unter einer anderen Kombination von Auffälligkeiten zu leiden hat. Auf der letzten Seite dieser Arbeit sind zwei kurze Teste abgedruckt, die zumindest Hinweise auf eine zu korrigierende Winkelfehlsichtigkeit geben können. Ein recht sicherer Hinweis auf Winkelfehlsichtigkeit ist das gleichzeitige Bestehen von Kopfschmerzen und gestörter Feinmotorik (Handschrift, Rechtschreibung).
  • Die Bandbreite der Auffälligkeiten der betroffenen Kinder entspricht exakt der, die als Begleitsymptomatik bei Legasthenikern seit langem bekannt ist. Da außerdem Einäugige fast nie von Lese-Rechtschreib-Problemen betroffen sind, kann wohl davon ausgegangen werden, dass die oben beschriebenen Auffälligkeiten tatsächlich überwiegend von Fehlern des beidäugigen Sehens oder einer gestörten Zusammenarbeit der Augen ausgelöst werden. Es sollte nach unseren Erfahrungen gerade auch bei Legasthenie-Kindern eine vorhandene Winkelfehlsichtigkeit versuchsweise mit einer Prismenbrille korrigiert werden. Eine Legasthenie kann nicht geheilt werden. Es zeigt sich jedoch, dass es in nicht wenigen Fällen zu einer deutlichen Verminderung der Auffälligkeiten kommt. In Einzelfällen konnte sogar die Diagnose Legasthenie zurückgenommen werden.
    Unter den nicht ihrer Intelligenz entsprechend leistungsschwachen Schülern, die von Lehrern, Schulpsychologen, Ergotherapeuten und Kinderärzten zur Untersuchung geschickt wurden, sind bisher nur 5%, bei denen kein oder ein nicht vollständig korrigierter Sehfehler gefunden werden konnte. Die Erfolgsquote der mit Prismenbrillen korrigierten winkelfehlsichtigen Kinder liegt, nachgewiesen durch eine augenärztliche Studie, bei etwa 65%, d. h. in diesen Fällen werden deutlich merkbare Verbesserungen der Auffälligkeiten erreicht. Bestehende Kopfschmerzen als Zeichen augenbedingter Anstrengungsprobleme werden in etwa 90% der Fälle behoben.

 

Winkelfehlsichtigkeit und Unterschiede zum sichtbaren Schielen

Beidäugiges Sehen bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, mit beiden Augen gleichzeitig auf dieselbe Stelle zu schauen und die zwei von den beiden Augen gelieferten Bilder zu einem räumlichen Gesamtbild zusammenzufügen. Dazu muss das Bild eines betrachteten Punktes in beiden Augen genau auf der Netzhautmitte abgebildet werden. Unter dem Begriff Winkelfehlsichtigkeit versteht man, ähnlich wie beim Schielen, ein Ungleichgewicht in der Bewegungsmuskulatur beider Augen. Dies kann man sich vereinfacht wie ungleich lange Zügel eines Pferdepaares vorstellen. Lenkt der Kutscher nicht ständig korrigierend dagegen, dann laufen die Pferde nicht in die gleiche Richtung.

Der Kutscher ist beim Menschen das Gehirn, welches die Längenunterschiede durch aktives Gegensteuern ausgleicht. Dem Winkelfehlsichtigen ist deshalb das Augenmuskelungleichgewicht nicht anzusehen. Er müsste eigentlich schielen. Dies tut er aber nicht. Sein Gehirn steuert immer gegen, um die Parallelstellung der Augen und damit das beidäugige Sehen aufrechtzuerhalten. Bei Ausfall (z.B. durch Überanstrengung) dieser Kompensation kann eine Winkelfehlsichtigkeit zeitweise oder dauernd zum Schielen werden. Das Ausgleichen selbst stellt auch bei kleinsten Fehlern eine erhebliche Dauerbelastung für den Körper dar und führt dann auffallend oft zu Anstrengungsproblemen, wie Kopf-, Augenschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten und bei Kindern vor dem 6.Lebensjahr auch zu Bauchschmerzen. Die Messung der Winkelfehlsichtigkeit erfolgt nicht in Winkelgrad, sondern in Prismen. Eine Winkelfehlsichtigkeit von 10 Prismen bedeutet: Wird mit einem Auge ein Punkt in einem Meter Entfernung fixiert, "will" das andere Auge 10 cm daneben schauen. Und das Gehirn muss entsprechende Energie aufwenden, um diesen Fehler auszusteuern.

Winkelfehlsichtigkeiten, die zeitweise nicht kompensiert werden, also manchmal zu sichtbarem Schielen führen, werden häufig als "Silberblick" oder "interessanter Blick" verniedlicht. Eltern, die bei Vorsorgeuntersuchungen ihres Kleinkindes das Empfinden äußern, das Kind schiele leicht nach innen, erhalten oft die Auskunft, dass der Eindruck täusche, weil beim Kleinkind der Nasenrücken so breit sei. Und bei Hinweisen auf gelegentliches "Wegrutschen" eines Auges (vor allem beim müden Kind) wird ihnen oft gesagt, dass das beim Kleinkind normal sei und meist von selbst weg gehe. Die erste Auskunft ist doch zu oft falsch. Haben die Eltern den Eindruck, dass das Kind schielt, dann ist das häufig auch richtig. Die zweite Auskunft kann richtig und falsch sein. Der zeitweise schielende Säugling kann innerhalb der ersten Monate lernen, ein eigentlich vorhandenes Ungleichgewicht in der Augenbewegungs-Muskulatur durch Anstrengung eines oder mehrerer Muskeln zu kompensieren und damit zusammenpassende Seheindrücke in beiden Augen zu erreichen (Doppelbilder zu vermeiden). Schafft er das, ist ihm zwar die Fehlstellung nicht mehr anzusehen, das Ungleichgewicht der Augenmuskeln ist jedoch weiterhin vorhanden und erfordert viel Kraft vom Gehirn und damit vom ganzen Körper. Kinder mit sichtbaren und immer gleich großem Schielfehler haben anders als die Kinder mit Winkelfehlsichtigkeiten häufig nur geringe schulische Probleme. Dies ist wohl dadurch erklärbar, dass das Gehirn dieser Kinder entweder ein Auge weitgehend abgeschaltet hat (Sehfähigkeit auf dem schielenden Auge dann oft nur noch 10 bis 40%) oder dass eine sogenannte falsche Zusammenarbeit entwickelt wurde. Hierbei kommt es zu einer Verlagerung der Richtungswahrnehmung in dem schielenden Auge:
Nicht mehr das, was auf die Netzhautmitte dieses Auges abgebildet wird, hat den Richtungswert "geradeaus", sondern das, was ein Stück daneben abgebildet wird. Konsequenz ist beschwerdearmes, sichtbares Schielen, allerdings mit erheblich verminderter Sehleistung des schielenden Auges, da in ihm das Bild des angeschauten Punktes an einer Stelle mit geringerer Sehleistung liegt. Diese Schielkinder werden nie ein gutes räumliches Sehen haben.
Haben Schielkinder allerdings wechselnd große Schielwinkel (z.B. bei Müdigkeit zunehmend), dann können auch sie erhebliche Auffälligkeiten der Grobmotorik und Feinmotorik aufweisen.


Kinder mit Winkelfehlsichtigkeit sind von der Augenstellung her unauffällig, weil sie das Muskelungleichgewicht aktiv ausgleichen. Sie bestehen überwiegend alle Reihen- und Vorsorgeuntersuchungen einschließlich der Teste auf beidäugiges und räumliches Sehen. Das wertet diese wichtigen Vorsorgeuntersuchungen überhaupt nicht ab. Aber nur, wenn die Grenzen solcher Teste bekannt sind, kann verhindert werden, dass eine Winkelfehlsichtigkeit erst so spät entdeckt und korrigiert wird, wenn in der Schule bereits alles "falsch gelaufen" ist. Winkelfehlsichtige Kinder fallen eigentlich oft schon vor Schuleintritt auf. Eines der frühesten und deutlichsten Merkmale ist die Unlust oder Unfähigkeit zum Ausmalen und Ausschneiden. Ein Kind, das bis zum Schulbeginn nicht einigermaßen Ausmalen und Ausschneiden kann, wird keine Leseratte und viele Schreibfehler werden es langfristig begleiten. Nachfolgend während der Schulzeit können sie mit recht hoher Sicherheit an der Art ihrer Auffälligkeiten erkannt werden. Da Winkelfehlsichtigkeiten oft vererbt werden, kann eine Befragung der Eltern über bei ihnen bestehende Auffälligkeiten zusätzliche Hinweise geben.
Es scheint keinen direkten Zusammenhang zwischen der Größe der Winkelfehlsichtigkeit und der Heftigkeit der Probleme zu geben. Es gibt Kinder, die mit einer sehr kleinen Winkelfehlsichtigkeit sehr große Auffälligkeiten haben und andererseits Kinder, die bei großer Winkelfehlsichtigkeit recht unauffällig sind.

 

Korrektionsmöglichkeit der Winkelfehlsichtigkeit

Die erfolgreichsten und schnellsten Veränderungen ergeben sich bei Kindern, bei denen auch kleinste Winkelfehlsichtigkeiten bereits im 5. bis 7. Lebensjahr mit Prismenbrillen korrigiert werden.

Das dazu notwendige Messverfahren wurde zunächst Polatestmethode genannt. Seit einigen Jahren wird die Durchführung in verbindlichen Richtlinien vorgeschrieben. Verantwortlich dafür ist die Internationale Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion. Das Verfahren heißt jetzt offiziell: Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase, in der Kurzform "MKH-Methodik". Die nach dieser Methode mit Prismenbrillen versorgten Kinder fallen oft durch eine die Eltern überraschend hohe Bereitschaft zum Tragen der Brille auf. Anscheinend ist dagegen eine Brille, die dauerhaft ungern getragen wird, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr richtig, nicht notwendig oder falsch.

Perspektiven der mit Prismenbrillen korrigierten Kinder

  • Schnelle Erfolge innerhalb von 3 bis 6 Monaten gibt es meist nur, wenn mit der erste Prismenbrille bereits in der Vorschule oder zumindest in den ersten beiden Schuljahren begonnen wird:
    – besseres Malen, Ausmalen, Ausschneiden
    – Entwicklung von Freude am Lesen und Schreiben
    – Verbesserung der Konzentrations-fähigkeit und Ausdauer
    – Erhöhung der Belastbarkeit
    – Reduzierung von Vermeidungshaltungen und Zappligkeit
    – Verbesserung der motorischen Koordination
    – Stabilisierung des Selbstwertgefühls
    – Zusätzliche Übungen machen Spaß und geben Sinn, da sie jetzt zu Erfolgen führen.
  • Mittel- bis langfristige Erfolge sind innerhalb von einem bis zwei Jahren zu erwarten, wenn mit der ersten Prismenbrille erst nach dem zweiten Schuljahr begonnen wird:
    – Verbesserung des Schriftbildes (Linie halten, gleichmäßige Größe der Buchstaben)
    – Verringerung der unerklärbaren Rechtschreibfehler
    – positive Veränderungen im Sozialverhalten.
    – Eine runde und ausgewogene Handschrift wird oft nicht mehr erreicht.
    Es ist also wichtig: Je früher betroffene Kinder die richtige Prismenbrille bekommen, desto schneller stellen sich die positiven Effekte ein.

    Optimal wäre daher eine sorgfältige Beobachtung im Kindergarten, in der Vorschule und im ersten Schuljahr. Eltern mit einem "Silberblick" können direkt nach Auffälligkeiten ihrer Kinder angesprochen werden. Es kann das Schriftbild und die Rechtschreibung älterer Geschwister kontrolliert werden. Bei einigen Kindern, die etwa Ende der dritten Klasse erstmalig eine korrekte Brillenversorgung hatten, konnte beobachtet werden, dass die Neigung zu Rechtschreibfehlern im Deutschen blieb, während die ab der fünften Klasse neu eingeführte Fremdsprache weitestgehend fehlerfrei geschrieben wurde. Es sieht also so aus, als seien die Handschrift und das falsch gelernte und instabile Erscheinungsbild der Wörter als stabiles Muster im Gehirn abgelegt.

    Da diese Kinder mit der Brillenversorgung die Möglichkeit erhalten, durch Übung zu lernen, ist bei ihnen der Spielraum für pädagogische Maßnahmen stark erweitert. Sinnvolle Maßnahmen sind dann ein zeitlich befristetes Nichtbewerten der typischen Fehler, verstärkter Förderunterricht, Unterstützung des Lesens von Büchern mit zunächst geringem Schriftanteil (Comics oder ähnliches). Auch ergotherapeutische Maßnahmen zur Behebung von Motorik Störungen oder verhaltenstherapeutische Maßnahmen können jetzt besonders erfolgreich sein.

    Kinder, bei denen sich mit der Prismenbrille keinerlei positive Auswirkungen zeigen, sind die Ausnahme. Fast genauso selten sind schlagartig massive Verbesserungen beobachtbar. Das ist auch nicht anders zu erwarten. Um wenigstens einigermaßen beidäugiges Sehen erlernen zu können, hat das Augenpaar der winkelfehlsichtigen Kinder über Jahre hinweg zunehmend fest verankerte Kompensationsmechanismen entwickelt. Nach Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit muss das Augenpaar erst lernen, mit den plötzlich besser zueinander passenden Seheindrücken umzugehen. Auch die durch die vielfachen Enttäuschungen (vor allem in der Schule) und die häufige Kritik an ihrer mangelnden Konzentration und Arbeitslust entstandenen resignativen oder aufbegehrenden Einstellungen und Verhaltensweisen lassen sich nicht von heute auf morgen verändern.

 

Bemerkungen zur Therapie durch Sehschulen

Sehschulen haben ihren Namen zu einer Zeit bekommen, als noch die Hoffnung bestand, Schielfehler durch Schulung oder Training beheben zu können. Der Begriff Sehschule wird auch weiterhin benutzt, obwohl die Erfahrung gezeigt hat, dass Schielfehler nicht wegtrainiert, sondern fast ausschließlich operativ behoben werden. Heutzutage wird nur noch in sehr wenigen Fällen ein solches Training versucht. Dies kann zwar das Augenmuskelungleichgewicht nicht verändern, aber es kann einem Kind mit Winkelfehlsichtigkeit in Einzelfällen zeitweise Entlastung verschaffen, ähnich wie Gymnastik und Massagen bei einem Menschen mit einem zu kurzen Bein. Ob es statt dieser Schulungsmaßnahmen nicht sinnvoller st, dem einen ein Prismenglas zu verschreiben und dem anderen einen Schuh mit dickerer Sohle, ist dabei die entscheidende Überlegung. So schreibt Hilke Oberländer, Leiterin einer Sehschule, in einer Zeitschrift für Lese- und Rechtschreibschwäche (1997):
Nicht korrigierte Abweichungen im ein- und beidäugigen Sehen können auch bei Kindern und Jugendlichen die Sehsituation und das Lernen belasten. Es müssen daher auch geringe Fehler ausgeglichen werden. Nur so werden die besten Voraussetzungen für das Sehen geschaffen. Dies hat positive Auswirkungen auf den Leseakt und den Leselernprozess.

 

Hinweise zur Prismenkorrektion mittels MKH

Die Winkelfehlsichtigkeit wird durch exakt ausgemessene Prismengläser ausgeglichen. Dieses Verfahren (MKH-Methodik) beinhaltet wegen der Korrektion der eigentlichen Ursache eines meist angeborenen Sehfehlers große Möglichkeiten, aber auch einige Probleme:

  • Da diese Methode einen extrem hohen Lern- und Übungsaufwand des Prüfers erfordert und wegen noch fehlender schulmedizinischer Anerkennung kein Bestandteil der normalen augenmedizinischen Ausbildung ist, stehen bisher für dieses seit etwa 40 Jahren erfolgreich angewendete Verfahren nur relativ wenige Fachleute zur Verfügung.
  • Bei der ersten Messung wird bei Winkelfehlsichtigkeiten wegen der "fest eingefahrenen" Kompensationsmechanismen und des veränderten Muskeltonus fast immer nur "die Spitze des Eisberges" gefunden. Es sind oft einige Nachuntersuchungen mit Veränderungen der Prismengläser erforderlich, bis die volle Größe der Winkelfehlsichtigkeit erfasst werden kann.
  • Es gibt Umstellungsprobleme bei erstmaligem Tragen der Prismenbrille, da sie einen Eingriff in alles bisher vom Gehirn für die Augensteuerung Gelernte darstellt. Werden diese ersten Stunden bis Tage überstanden, wird die Richtigkeit der Brille schnell daran erkennbar, dass die Kinder "brillensüchtig" werden und sich erste positive Veränderungen einstellen. Sollten sich diese Erfolge nach einiger Zeit wieder vermindern, dann wird eine Nachkontrolle erforderlich, in der sich meist die Notwendigkeit neuer Prismengläser herausstellt.
  • Wenn der kompensierte Winkelfehler sehr groß ist, kann er hinter den Brillengläsern sichtbar werden. Es ist jedoch nicht richtig, dass eine Prismenbrille zum Schielen führt, wenn dies auch zuweilen fälschlich behauptet wird. Zutreffend ist, dass der vorher nicht sichtbare Sehfehler nur hinter der Prismenbrille zu sehen ist. Nach Absetzen der Brille verschwindet dieser Effekt, da dann das Gehirn wieder automatisch anfängt, die Winkelfehlsichtigkeit zu kompensieren.
  • Manchmal sind die Winkelfehlsichtigkeiten zu groß, um sie dauerhaft mit entsprechend dicken Prismengläsern korrigieren zu können. In diesen Fällen kann dann problemlos eine Augenmuskeloperation durchgeführt und damit der Fehler direkt am "Ursprungsort" behoben werden.
  • Oft wird noch die Ansicht verbreitet, dass Winkelfehlsichtigkeiten bis etwa 5 Prismen keine Störungen verursachen, deshalb harmlos sind und nicht korrigiert werden müssen. Dies ist nach den Erfahrungen, die in den letzten vier Jahrzehnten gemacht wurden, überhaupt nicht haltbar. Zudem wird oft vergessen, dass der bei einer ersten Untersuchung gefundene Wert oft nie "die volle Wahrheit" ist. Im offiziellen Mitteilungsblatt des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (Der Augenarzt, 4. Heft 1997) wird ausdrücklich berichtet, dass... Kinder- und Augenärzte vereinbarten, bei Legasthenie-Kindern auch geringste Refraktionsfehler auszugleichen, um auch die therapeutische Wirkung der Brille an sich auszunützen.

Fachleute, die sich mit der Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit bei auffälligen Kindern auskennen, empfehlen den Versuch mit Prismenbrillen, die nach der MKH-Methodik ermittelt wurden, um festzustellen, ob sich damit die bestehenden Auffälligkeiten deutlich vermindern.

Zeitpunkt der Korrektion

Auch Sehen muss erlernt werden! Dies geschieht größtenteils in den ersten beiden Lebensjahren. Bis zum Alter von sechs Jahren ist dieser Lernprozess vollständig abgeschlossen. Frühzeitige Diagnose und Therapie ist dann wichtig, wenn sichtbare Schielfehler bestehen oder Auffälligkeiten im Verhalten des Kindes Winkelfehlsichtigkeiten vermuten lassen. Bei einem Schielfehler wird sich ohne Therapie kein gutes beidäugiges Sehen entwickeln. Es kommt meist zum befürchteten einäugigen Sehen durch "Abschalten" des sichtbar schielenden Auges und das ist leider im Regelfall nach dem zweiten Lebensjahr nicht mehr zu beheben.

Die winkelfehlsichtigen (also nicht sichtbar schielenden) Kinder stellen dem gegenüber ein kleineres Problem dar. In den ersten beiden Lebensjahren haben sie ihren Fehler kompensiert und damit auch meist beidäugiges Sehen gelernt. Bei ihnen wird dann eine Prismenbrille notwendig, wenn sich die für eine Winkelfehlsichtigkeit typischen Auffälligkeiten einstellen und keine anderweitigen Ursachen bestehen.

Einige Fachleute korrigieren die bei ihren eigenen Kindern vorhandenen Winkelfehlsichtigkeiten auch dann, wenn (noch) keine Auffälligkeiten bestehen. Die Erfahrung hat ihnen gezeigt, dass die vorsorgliche Korrektion der sinnvollere Weg ist. Die leider oft viel "zu spät" begonnene Korrektion wird es in diesen Fällen nicht geben. Ein solches Vorgehen wird aber generell nicht empfohlen. Zum einen würden viele Kinder mit einer Winkelfehlsichtigkeit eine Prismenbrille bekommen, ohne Auffälligkeiten zu haben. Zum anderen ist dieser Weg schon wegen der äußerst geringen Anzahl der Fachleute, die die MKH-Methodik nach den verbindlichen Richtlinien durchführen können, praktisch gar nicht möglich.

Schlussbemerkung

Nach unseren durch Studien belegten Erfahrungen steht fest, dass sehr vielen der ungefähr 20 bis 40% in der Schule unerwartet (also trotz normaler oder überdurchschnittlicher Intelligenz) leistungsschwachen Kindern erheblich wirksamer als bisher geholfen werden könnte. Selbst berufspolitisch motivierte Kritiker dieser Prismenbrillen geben zu, dass die Erfolgsquote der MKH-Methodik bei etwa 65 % liegt. Dabei ließen sich nicht nur die Schul- und Berufschancen vieler Kinder verbessern, sondern die erheblichen Summen für Fördermaßnahmen, Therapien, sonderpädagogische Betreuung und weiteres würden wesentlich effektiver eingesetzt werden können.

Allgemein

Einige Kinder mit Lernschwierigkeiten zeigen spezifische Verhaltensweisen wie Hyperaktivität, Konzentrationsschwäche oder Aufmerksamkeitsdefizite. Dies wird oft als ADS bezeichnet.

Unentdeckte visuelle Probleme können ähnliche Symptome auslösen wie Sie beim ADS Syndrom vorkommen. Aufgrund der ähnlichen Symptome werden manche Kinder mit primär visuellen Problemen als ADS Kinder eingeordnet.

Eine Studie am Children's Eye Center der Universität von San Diego deckte den Zusammenhang zwischen Sehproblemen, speziell Konvergenz Schwäche und ADS auf. Kinder die eine Konvergenz-Schwäche haben, mangelhaftes Zielen der Augen beim Lesen, werden 3x häufiger mit ADS diagnostiziert als Kinder mit normalem Zielen der Augen beim Lesen. Es ist unklar ob die Konvergenz-Schwäche das ADS Syndrom verstärkt oder ob sie als ADS falsch diagnostiziert wird. In jedem Fall sollte bei Aufmerksamkeitsdefiziten, Hyperaktivität oder Konzentrationsschwäche das visuelle System untersucht und wenn nötig verbessert werden.

Dies unterstützt die Erfahrung vieler Optometristen das eine hohe Anzahl von Kindern mit Lernschwierigkeiten visuelle Probleme haben. Eine Studie stellte fest das 13% der Kinder zwischen 9 und 13 Jahren eine Konvergen-Schwäche haben und 25% aller Schulkinder ein visuelles Problem das die Lernfähigkeit beeinflussen kann, haben.

Visuelle Analyse

Speziell bei Kindern mit Lese-, Rechtschreib- oder Konzentrationsproblemen sollte eine umfassende visuelle Analyse durch einen Optometristen durchgeführt werden. Es ist wichtig dabei nicht nur die Sehschärfe und mögliche Sehfehler zu messen. Diese Sehfunktionen müssen ebenfalls geprüft werden:

  • Gleichgewicht der äusseren Augenmuskeln (assoziierte Phorie)
  • Räumliches Sehen (Stereopsis)
  • Zielen der Augen beim Lesen (Konvergenz)
  • Naheinstellung der Augen (Akkommodation)
  • Augenfolgebewegungen und Augensakkaden
  • Belastbarkeit des visuellen Systems
  • Flexibilität des visuellen Systems
  • Leseleistung
  • Visuelle Perzeption

 

Spezialisierte Optometristen führen solche visuelle Analysen durch. Der Zeitaufwand für eine solche Untersuchung beträgt oft bis zu 1 Stunde, mach mal sind auch 2 Termine notwendig um die gesamte visuelle Wahrnehmung eines Kindes zu erfassen.

Allgemein

Eine gemeinsame Stellungnahme der American Academy of Optometry und der American Optometric Association
übersetzt von R.D. Duschner aus Optometry & Visual Science 10/97

Viele Kinder und Erwachsene führen im Klassenzimmer und am Arbeitsplatz einen Kampf mit dem Lernprozess.
Fortschritte in der Informationstechnologie und deren ständig wachsenden Bedeutung stellen immer höhere Herausforderungen und Anforderungen an ein effizienteres Lernen der Menschen und an ihr Informationsprozessing, d.h. ihre Informationsverarbeitung. Ein Lernerfolg wird durch komplexe und miteinander in Beziehung stehende Prozesse erzielt, wobei die visuelle Wahrnehmung einen dieser Prozesse darstellt. Die Bestimmung der Verhältnisse zwischen Sehen und Lernen beinhaltet mehr als nur die Auswertung von Gesundheit der Augen und des Visus (Klarheit des Sehens). Probleme bei der Identifizierung und Behandlung von lernbezogenen Sehproblemen bei Menschen mit lernbezogenen Sehproblemen entstehen immer dann, wenn eine nur begrenzte Definition des Sehens angewandt wird. Dieses Positionspapier wendet sich mit Themen an Personen, welche für diese Menschen wichtig sind, an Menschen, welche lernbezogene Probleme der visuellen Wahrnehmung haben, an deren Familien, deren Lehrer, an das Schul-, Ausbildungs- und Fortbildungssystem sowie an die Gesellschaft als Ganzes.

Politisches Statement

Menschen mit dem Risiko, lernbezogener Probleme der visuellen Wahrnehmung sollten eine umfangreiche optometrische Untersuchung erhalten. Diese Untersuchung sollte als Teil einer multidisziplinären Anschauung durchgeführt werden, in welcher alle Funktionsgebiete beurteilt und unterstützt werden. Die Rolle des Optometristen bei der Beurteilung von lernbezogenen Sehproblemen besteht darin, ein gründliches Screening der Augen und der Sehfunktionen durchzuführen und die Ergebnisse und seine Empfehlungen dazu zu kommunizieren. Das optometrische Management kann optometrische Maßnahmen, d.h. Kompensation, Korrektion, optometrisches Visualtraining und/oder Weiterverweisung umfassen. Das zu erwartende Ergebnis einer optometrischen Intervention ist die Verbesserung der Sehfunktionen mit Erleichterung assoziierter Anzeichen und Symptome.
Eine optometrische Intervention für Menschen mit lernbezogenen visuellen Problemen besteht aus sphärischen, astigmatischen und prismatischen Augengläsern und/oder aus optometrischem Visualtraining. Visualtraining ist eine Übungsform zur Verbesserung der Effektivität des Sehens sowie des visuellen Prozessings. Sie erlaubt es dem jeweiligen Individuum besser auf den pädagogischen Unterricht zu reagieren. Es schließt aber keinerlei andere Behandlungsform aus und sollte Teil einer multidiszipliären Anschauung von Lernschwierigkeiten sein.

Ständig gültige Problematik:

Die visuelle Wahrnehmung ist fundamentaler Faktor des Lernprozesses. Die drei dabei miteinander in Beziehung stehenden Gebiete der Sehfunktionen sind:
1. Die Integrität der Sehbahnen inklusive Augengesundheit, Sehschärfe und Refraktionszustand
2. Die Sehleistung inklusive Akkommodation (d. h. Fokussierung des optischen Systems), Binokularsehen (die Augen als Team), Augenbewegungen sowie
3. Das visuelle Prozessing, d.h. die Verarbeitung der visuellen Information (die Identifikation und Diskrimination, das räumliche Bewusstsein sowie die Integration mit anderen Sinnen.)

Um mit dem Lernen in Beziehung stehende Probleme der visuellen Wahrnehmung zu identifizieren, muss jedes einzelne dieser in Beziehung zueinander stehenden Gebiete in vollem Umfang geprüft werden. Pädagogische, neurophysiologische und medizinische Forschungen haben zu Unterscheidung unterschiedlicher Subtypen von Lernschwierigkeiten geführt. Neueste Forschung hat ergeben, dass Menschen mit Leseschwierigkeiten oft gleichzeitig koexistierende visuelle und sprachbezogene Verarbeitungsprobleme haben. Aus diesen Gründen kann von keiner Einzelbehandlung, keinem Einzelberuf noch von irgendeiner Profession erwartet werden, dass nur sie allein allen Bedürfnissen entspricht. Ungelöste Sehmängel können die Fähigkeit, voll einem pädagogischen Unterricht zu entsprechen, beeinträchtigen.
Das Management kann optische Korrektion, optometrisches Visualtraining oder eine Kombination beider Möglichkeiten erfordern. Visualtraining, die Kunst- und Fachwissenschaft der Entwicklung und Verbesserung von Sehfertigkeiten, sowie der Verminderung von Dysfunktionen hat eine feste Basis in den visuellen Wissenschaften. Sowohl ihre Anwendung wie ihre Effektivität sind in der wissenschaftlichen Literatur nachgewiesen worden. Bestimmte Quellen haben fälschlicherweise optometrisches Visualtraining mit kontroversiellen und unbegründeten Therapien, sowie Fehlsichtigkeiten mit Fehlfunktionen der visuellen Perzeption gleichgesetzt.
Augen, Sehbahnen und Gehirn bilden zusammen das visuelle System. Deshalb muss man zum Verständnis der Komplexität der Sehfunktion das visuelle System ganzheitlich betrachten.
Neueste Forschung hat bewiesen, dass Menschen mit Leseschwächen Verzögerungen in der Informationsweiterleitung der Datenpfade zum Gehirn haben. Das führt zu Konfusion und unterbricht beim Lesen die nomale Timing-Funktion.
Sehstörungen, wie zum Beispiel Gesichtsfeldbegrenzungen, können großen Einfluss auf die Leseleistung nehmen.
Augenstress und Doppeltsehen wegen Konvergenzschwäche können ebenfalls beim Lernen ein bedeutendes Handicap sein. Es gibt noch viele weitere einfache und subtile Sehstörungen, welche unterschiedliche Menschen unterschiedlich stark beeinträchtigen. Das Sehen ist ein Vorgang mit vielen Facetten und sein Verhältnis zu Lesen und Lernen komplex.
Jedes Gebiet der Sehfunktionen muss bei der Beurteilung von Menschen, welche Lese- oder andere Lernprobleme empfinden, in Betracht gezogen werden. Gleichermaßen muss das gesamte Betreuungs- und Korrektionsprogramm individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Person hin entworfen werden.

Zusammenfassung:

1. Probleme der visuellen Wahrnehmung können den Lesevorgang stören und tun dies oft.
2. Menschen, welche visuelle Probleme haben, welche das Lesen stören, sollten von einem Optometristen überprüft werden, der auf diesem Gebiet die optometrischen Analyse-, Korrektions-, Sehhilfen und Serviceleistungen zur Verfügung stellen kann.
3. Das Ziel einer optometrischen Intervention besteht immer darin, die Sehfunktion und die damit zusammenhängenden Anzeichen und Symptome zu verbessern.
4. Eine umgehende Lösung oder Erleichterung lernbezogener visueller Probleme verbessert die Möglichkeit von Kindern und Erwachsenen, auf dem vollen Niveau ihrer Fähigkeiten eine Leistung zu erbringen.
5. Menschen mit Lernproblemen benötigen Hilfe von vielen Disziplinen, um den sie störenden Lernbehinderungen zu begegnen. Die Einbeziehung eines Optometristen stellt einen Aspekt in der ganzheitlichen Anschauung einer multidisziplinären Behandlung dar, wie sie erforderlich ist, um einen betroffenen Menschen auf ein lebenslanges Lernen vorzubereiten.



Dieses politische Statement wurde von einer Arbeitsgruppe aus Repräsentanten des College of Optometrists in Vision Development, der American Optometric Association, und der American Academy of Optometry formuliert und von den angeführten Organisationen sowie von der American Foundation for Vision Awareness approbiert.

Begriffserklärung

Entwicklung des Sehens

Die visuelle Wahrnehmung eines Kindes ist ein langer Lernprozess, der erst nach dem 10. Lebensjahr abgeschlossen ist. Bei der Geburt haben Kinder in der Regel eine hohe Weitsichtigkeit. Ein natürlicher Prozess regelt dann die weitere Entwicklung des Sehens. Wie sich dabei die visuelle Wahrnehmung entwickelt, ist sowohl von erblichen Veranlagungen als auch von der allgemeinen Entwicklung abhängig. Visuelle oder motorische Entwicklungsverzögerungen können, wenn sie rechtzeitig entdeckt werden, durch optometrische Unterstützung häufig aufgeholt werden.

Sehen

Ist die Fähigkeit eines Auges, auf Licht zu reagieren und eine Sehschärfe zu erzielen.

Wahrnehmen

Effektive visuelle Wahrnehmung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung und schulische Leistung eines Kindes. Wenig bekannt ist, dass dazu neben der Sehschärfe zahlreiche weitere Sehfunktionen eine wichtige Rolle spielen. So haben Optometristen der University of Ohio in einer Studie 200 Kinder im Alter von 5 bis 7 Jahren auf den Einfluss verschiedener Sehfunktionen bei der Leseleistung untersucht. Es zeigte sich, dass die Leseleistung um so höher ist, je besser räumliches Sehen und die Flexibilität der Augen beim Umstellen von der Tafel zum Heft sind. Der Einfluss der Sehschärfe dagegen war eher gering. Es ist wichtig, den Unterschied zwischen "Sehen" und "visueller Wahrnehmung" zu begreifen.

Visuelle Wahrnehmung

Ist das Resultat der Fähigkeit des Kindes, die Informationen, die es mittels der Sehschärfe der beiden Augen erhalten hat, zu verarbeiten und zu interpretieren.
Voraussetzung für gute visuelle Wahrnehmung ist neben der Sehschärfe eine gute Zusammenarbeit der beiden Augen, die Fähigkeit des Augenpaares, sich schnell auf unterschiedliche Entfernungen einzustellen, eine gute Blickmotorik, gute Raumwahrnehmung, gute Augen-Hand-Koordination und visuelle Formwahrnehmung.

Anzeichen von Sehproblemen

Probleme der Augen beim Sehen in der Nähe

Um beim Lesen deutlich zu sehen, müssen sich die Augen in Schärfe und Zielrichtung sehr fein einstellen. Dies kann zu Anstrengungsproblemen führen. Schnelles Ermüden beim Lesen, Gähnen nach kurzer Lesedauer, geringe Konzentration oder Nervosität beim Lesen sind typische Anzeichen von Problemen im Nahsehen.

Augenbewegungen (Okulomotorik)

Um im Unterricht viele Informationen aufzunehmen, ist eine schnelle und kontrollierte visuelle Erfassung erforderlich. Wenn dabei die Augenbewegungen langsam, beschwerlich und springend sind, oder wenn die Augen einen Text nicht festhalten können, wird darunter die Informationsmenge leiden.
Bei Problemen dieser Art werden die Schwierigkeiten immer dann, wenn längere Zeit in der Nähe konzentriert gearbeitet werden soll, deutlich. Nahsehen wird vermieden, die Kopfunruhe nimmt zu und die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab.

Fixation

Um sich konzentriert mit einer Sehaufgabe zu beschäftigen, muss ein Kind in der Lage sein, einen Gegenstand längere Zeit mit den Augen festhalten zu können. Macht konstantes Fixieren Mühe, kann große motorische Unruhe oder Unkonzentriertheit die Folge sein.

Koordinierte Augenbewegungen

Der Sehapparat des Menschen ist so eingerichtet, dass beide Augen und die dazugehörigen Muskeln zusammenarbeiten können, damit beide Augen so funktionieren, als ob nur eines vorhanden wäre. Die Koordination beider Augen ist nicht automatisch von Geburt an vorhanden, sie muss durch einen Lernprozess vor der Einschulung erworben werden. Wenn bei einem Kind die Fähigkeit, beide Augen optimal miteinander zu gebrauchen, nicht genügend vorhanden ist, kann dies zu Problemen der Raumwahrnehmung im Auffassen von Zusammenhängen und Abständen bedeuten. Häufiges Anzeichen solcher Probleme sind Tollpatschigkeit in der Schule oder auf dem Spielplatz, Augen zusammenkneifen, häufiges Blinzeln oder schiefe Körperhaltung bei Lesen.

Augen-Hand-Koordination

Augen und Hände müssen beim Lernen wie ein Satz integrierter Werkzeuge funktionieren. Das Ergebnis des Zusammenspieles von Augen und Händen zeigt sich in der Geschicklichkeit, Größen, Formen, Oberflächen und Anordnung von Objekten visuell zu unterscheiden. Probleme auf diesem Gebiet machen sich dadurch bemerkbar, dass ein Kind zur Erforschung und Untersuchung von Gegenständen immer seine Hände zur Hilfe nehmen muss. Oft wird es in der Schule zu Mängeln bei der Einhaltung von Linien und der Orientierung kommen.

Visuelle Formwahrnehmung

Im Laufe der Entwicklung eines Kindes werden bestimmten Gegenständen im Gehirn Bilder zugeordnet und gespeichert. Der Sehvorgang besteht aus einem ständigen Vergleich von im Gehirn gespeichertenSeherfahrungen mit der visuellen Wahrnehmung.
Visuelle Formwahrnehmung ist eine erlernte Fähigkeit. Ihr wichtigster Zweck ist das sofortige und genaue Erfassen von Ähnlichkeiten und Unterschieden. Wenn auf diesem Gebiet Probleme bestehen, wird dies oft als schlechtes Gedächtnis oder als Nachlässigkeit bei feinen Details (Buchstabenverwechslungen) bewertet.

Sehschärfe

Verzerrungen (z.B. Astigmatismus) oder andere Fehlsichtigkeiten bewirken, dass die Augen nicht effektiv arbeiten. Sie behindern gleichzeitig die Prozesse des Erfassens und Verstehens.
Ein deutlicher Hinweis auf solche Probleme ist es, wenn ein Kind Gelesenes nicht versteht, Fehler immer wieder wiederholt oder über Anstrengungsbeschwerden klagt.

Erkennen von Sehproblemen

Vor allem bei Problemen, die mit dem Sehen zusammenhängen können, oder bei Schulschwierigkeiten ist eine umfassende optometrische Prüfung der gesamten visuellen Wahrnehmung nötig.
Es ist wichtig zu verstehen, dass alle Sehprobleme, die ein Kind in der Schule hemmen, weder mit herkömmlichen Sehprobentafeln, noch mit Sehtestgeräten aufgedeckt werden können! Solche Teste können keine genaue Prüfung durch einen Optometristen ersetzen.
Eine komplette optometrische Messung der visuellen Wahrnehmung sollte mindestens folgende Punkte umfassen:
1) Augenbeweglichkeit
2) Sehschärfe *
3) Messung des Sehfehlers
4) Zusammenarbeit der beiden Augen
5) Räumliches Sehen
6) Flexibilität der Augen beim Wechsel von Ferne zu Nähe
7) Verhalten der Augen beim Nahsehen
8) Visuelle Integration

* Sehschärfe und Sehfehler sind auch ohne verbale Mitarbeit des Kindes mit speziellen Messmethoden und ohne den Einsatz von Augentropfen messbar.

Wann sollte das Sehen eines Kindes untersucht werden?

1) Eine erste Untersuchung empfiehlt sich in den ersten zwei Lebensjahren. Je häufiger Sehprobleme in der Familie bekannt sind, desto früher sollte eine Untersuchung stattfinden.

2) Spätestens vor der Einschulung; bei Auffälligkeiten im Kindergarten, Malunlust, Konzentrations- oder Aufmerksamkeits-Defiziten oder motorischen Defiziten auch früher.

3) Da sich das Sehen bei Kindern noch entwickelt und sich viel schneller als bei Erwachsenen ändern kann, ist nach der Einschulung eine jährliche Kontrolle zu empfehlen.



Hilfe bei Sehproblemen

Brille

Die meisten Probleme der Sehschärfe können mit einer Brille leicht behoben werden. Auch viele Schwierigkeiten des Nahsehens können auf diese Weise behoben werden. Mit speziellen Brillengläsern können meist auch Probleme der Zusammenarbeit der beiden Augen oder des räumlichen Sehens gelöst werden.

Optometrisches Visual Training

Visual Training stärkt die Fähigkeiten des Kindes, visuelle Defizite zu kompensieren. Zusätzlich lässt sich das Gefühl für die Anpassung der Augen an unterschiedliche Anforderungen trainieren. Vision Training unterstützt eine bewusste visuelle Wahrnehmung.

Contactlinsen

Bei bestimmten Sehfehlern ist auch bei Kindern die Contactlinse der Brille überlegen. Contactlinsen können übrigens schon von Babys getragen werden.



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Analyse des visuellen Systems

Im Rahmen unserer optometrischen Betreuung können wir eine Analyse des visuellen Systems durchführen. Es können die folgenden visuellen Fähigkeiten untersucht und dabei die folgenden Ergebnisse dokumentiert werden.

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Diese Dokumentation bitte auch an betreuende Personen wie Ergotherapeuten, Logopäden, Schulpsychologen und Kinderärzte weiterleiten.
Bitte beachten Sie, dass wir nicht bei jedem Kind jede visuelle Funktion prüfen. Dies ist abhängig vom Alter des Kindes und der Problemstellung, die vorliegt.

Okulomotorik Augenbewegungen

Augenfolgebewegungen
Wie gut kann Ihr Kind einem Gegenstand mit den Augen folgen und ihn mit den Augen festhalten? Wird konstant fixiert, wird mit den Augen fixiert oder folgt der Kopf und ist der Körper ruhig oder in Bewegung?
Sakkaden
Blicksprünge
Wie gut kann Ihr Kind seinen Blick von einem auf einen anderen Gegenstand richten? Wird sicher und konstant zwischen zwei Gegenständen der Blick gewechselt?
Sehschärfe
Wie scharf sieht Ihr Kind? Bitte beachten Sie, dass die Sehschärfe nur eine von vielen visuellen Fähigkeiten ist und alleine nur wenig über die Wahrnehmung mit den Augen aussagt.
Sehfehler
Fast alle Menschen haben einen Sehfehler, Kinder sind in den ersten Lebensjahren leicht weitsichtig und auch eine leichte Hornhautverkrümmmung (Astigmatismus) ist normal. Da wir uns bei Kindern noch nicht auf die subjektiven Angaben verlassen, haben wir den Sehfehler Ihres Kindes mit objektiven Methoden gemessen.

Zusammenarbeit der beiden Augen

Wie gut arbeiten die beiden Augen miteinander? Zielen die Augen beim Blick in die Ferne mühelos gemeinsam auf ein Objekt? Zielen die Augen genau auf das Blatt beim Lesen oder Malen? Liegt eine Winkelfehlsichtigkeit vor, der Normalfall im Sehen, und wie gut wird diese kompensiert? Funktioniert das Zusammenspiel von Zielen und Scharfstellen der Augen gut und mühelos beim Lesen?

Assoziierte Phorie
Winkelfehlsichtigkeit
Bei den meisten Menschen haben die 12 äußeren Augenmuskeln ihre angenehmste Einstellung nicht in der optimalen Blickrichtung. Dies wird als assoziierte Phorie bezeichnet und liegt bei 80% aller Menschen vor. Diese wird durch Mehrarbeit einzelner Muskeln ausgeglichen und verursacht manchmal Beschwerden oder Konzentrationsstörungen. Erfolgt kein Ausgleich, so entsteht ein Schielen.
Konvergenz Nahpunkt
Zielen der Augen beim Lesen/Malen
Wie nah können die Augen Ihres Kindes beim Lesen oder Malen auf das Blatt zielen?
Naheinstellung der Augen
Lesen oder malen erfordert eine extrem komplizierte Einstellung der Augen. Beide Augen müssen auf die gleiche Ebene zielen und diese fokussieren. Beides muss im gleichen Punkt zusammenfallen und dieser sollte dann genau im Text liegen. Viele Augen zielen dabei vor oder hinter den Text, den sie lesen wollen.
Stereopsis
Räumliches Sehen
Räumliches Sehen erlaubt uns die Orientierung im Raum oder auch auf einem Blatt. Eine Linie beim Malen oder Schreiben zu halten, am Ende einer Zeile den Anfang der nächsten Zeile zu finden, beim Wechsel vom Blatt zur Tafel und wieder zurück an den gleichen Ort zu finden, ermöglicht die Stereopsis. Diese funktioniert um so besser, je besser die beiden Augen miteinander arbeiten.

Visuelle Flexibilität

Visuelle Flexibilität
Wie können sich die Augen Ihres Kindes auf nahe Dinge einstellen, wie flexibel reagieren sie auf Veränderungen und wie belastbar ist das visuelle System?
Akkommodation
Scharfstellen der Augen zum Lesen
Wie gut können die Augen nahe Dinge scharf einstellen?
Akkommodations-Flexibilität
Wie schnell können die Augen zwischen Ferne und Nähe wechseln und wie ausdauernd tun sie dies?
Vergenzsystem
Beide Augen müssen ständig konvergieren (auf etwas Nahes zielen) und divergieren (auf etwas Weites zielen). Die Fähigkeit für Konvergenz und Divergenz zeigt die Belastbarkeit des visuellen Systems
Leseleistung
Wie viele Wörter können in einer Minute gelesen werden, wie viele Fehler unterlaufen dabei und werden alle Zeilen gelesen?
Visuelle Perzeption
Wie gut werden visuelle Informationen verarbeitet, um sie in kognitives oder motorisches Handeln umzusetzen und zu integrieren?

Myopie: Eine Einführung

Was passiert im Auge?

Vor circa 20 Jahren hat Frank Scheffel, Biophysiker von der Universität Tübingen, an Hühnern nachgewiesen, dass ein unscharfer Seheindruck auf der Netzhaut zu einem Längenwachstum des Auges führt. Earl Smith III, Optometrist und Dean der Optometrie Fakultät der Universität in Houston, konnte 2008 nachweisen, dass dieses Längenwachstum von der peripheren Netzhaut gesteuert wird. Entsteht dort Unschärfe, so wächst das Auge, die Kurzsichtigkeit (Fachbegriff Myopie) wird stärker.

Immer mehr Menschen werden kurzsichtig

Weltweit nimmt die Kurzsichtigkeit stark zu. Waren 1972 nur 25% der Amerikaner myop, stieg die Zahl bis zum Jahr 2000 auf 45%: Brian Holden, Optometrist aus Sydney und Gründer des weltberühmten Holden Vision Institut, prophezeite 2016 in einer epidemiologischen Studie die Zunahme der Myopie für Zentraleuropa von 20,5% im Jahr 2000 auf 50% in 2050.

Ursache 1: Die Gene

Dass Menschen kurzsichtig werden, hat mehrere Ursachen. Zuerst die erbliche Voraussetzung: Kinder myoper Eltern haben ein deutlich höheres Risiko, später myop zu werden. Sind beide Elternteile kurzsichtig, so ist das Risiko der Kinder 6x höher, myop zu werden als bei nicht kurzsichtigen Eltern.

Ursache 2: Wie die Augen gebraucht werden

Aber es sind nicht immer die Gene der Eltern, die zur Myopie führen: So haben Optometristen schon vor mehr als 40 Jahren drei Generationen Eskimos untersucht. Während bei Großeltern und Eltern keine Kurzsichtigkeiten beobachtet wurden, hatten viele Kinder eine Myopie. Die Kinder waren die erste Generation mit Schulpflicht!
Es spielt daher auch eine große Rolle, wie wir unsere Augen gebrauchen. Je mehr Nahtätigkeit wie Lesen (und heute vor allem der Gebrauch von Computer, Tablet und Smartphone) wir haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, myop zu werden oder stärker kurzsichtig zu werden. Und das unabhängig vom Körperwachstum.
Direkt mit der zunehmenden Belastung der Augen durch Nahsehen hängt die Zusammenarbeit der Augen beim Lesen zusammen.

Zum einen müssen sich die Augen auf nahe Objekte scharf stellen, Akkommodation. Gleichzeitig müssen die Augen auf das scharf gestellte Objekt zielen, Konvergenz. Beides, Akkommodation und Konvergenz, müssen sehr fein zusammenspielen. Oft entstehen da Belastungen des visuellen Systems. Dieses ist eigentlich für Nahanforderungen sehr schlecht konstruiert, dies hat der Optometrist Skeffington schon in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts erforscht.
Schon kleine Ungenauigkeiten beim Scharfstellen oder Zielen der Augen beim Lesen können eine Entwicklung der Myopie negativ beeinflussen.

Ursache 3: Stubenhocken

Neuere Studien zeigen, dass auch die Zeit, die wir unter freiem Himmel verbringen, eine Rolle bei der Entstehung und Progression der Kurzsichtigkeit spielt. So haben Kinder, die weniger als 1,6 Stunden pro Tag draußen sind, ein bis zu 3x höheres Risiko.

Therapie der Myopie

Brille

Seit feststeht, dass Unschärfe zu einem Längenwachstum führt, ist klar, dass jede Myopie vollständig korrigiert werden muss. Eine bewusste Abschwächung der Gläser, wie dies früher üblich war, verstärkt die Zunahme der Myopie. Dies konnte in umfangreichen Studien der Kollegen O´Leary aus London und Jane Sarkadinenberg vom Holden Vision Institut nachgewiesen werden.

Gleitsichtbrille

In manchen Fällen lässt sich das Fortschreiten der Myopie durch Gleitsichtgläser oder Nahkomfort Gläser verlangsamen. Diese entlasten bei Nahsehstress. Ob eine solche Lösung in Frage kommt, klärt unsere umfangreiche optometrische Analyse.

Contactlinsen

Nachdem Earl Smith III nachgewiesen hat, dass die periphere Netzhaut eine wesentliche Rolle bei der Progression der Myopie spielt, konnten mit speziellen Contactlinsen wesentliche Fortschritte in der Myopie Kontrolle erreicht werden. Wird ein kurzsichtiges Auge mit Brille oder Contactlinse optimal korrigiert, so entsteht zwar im Zentrum der Netzhaut ein scharfes Bild, am Rand wird das Bild jedoch unschärfer. Es ist am Rand weniger Myopie als im Zentrum. In Kenntnis der Arbeit von Smith haben Alder und Wilsoet, Optometristen in Neuseeland, 2008 zuerst die Idee verfolgt, Multifokallinsen zur Myopiekontrolle einzusetzen. Diese Linsen haben am Rand weniger Stärke als im Zentrum und wurden eigentlich zur Korrektur der Alterssichtigkeit, ähnlich einer Gleitsichtbrille, entwickelt.
CL
Bild aus: www.optikum.at (Fachmagazin für Augenoptik und Optometrie) nach einer Studie von Smith III, Earl L. et al.: Es zeigt jeweils die Bildebene im Auge (unkorrigiert, traditionell korrigiert (Einstärkengläser oder -linsen) und so korrigiert, dass ein Längenwachstum vermieden wird).



Orthokeratologie

Contactlinsen, die über Nacht die Form der Hornhaut ändern, kennt man in der Optometrie seit mehr als 50 Jahren. Mit höchst sauerstoffdurchlässigen Linsen ist die Orthokeratologie in den letzten 15 Jahren ein sicheres Verfahren geworden. Dabei hat sich gezeigt, dass sich damit die Progression der Myopie hervorragend verlangsamen lässt. Die Wirkungsweise ist ähnlich der Multifokallinsen: Es entsteht tagsüber ein schärfes Bild auf der peripheren Netzhaut. Der Optometrist Jeff Walline von der Ohio State University und der Schweizer Optometrie Kollege Dr. Martin Lörtscher, Optometrist an der Auckland University in Neuseeland, konnten dies in umfangreichen Studien nachweisen.

Vision Therapy

Immer wenn Nahsehstress zu negativen Anpassungen des visuellen Systems führt und dieser eine schnelle Progression der Myopie fördert, ist es sinnvoll, durch Vision Therapy die Einstellung der Augen beim Lesen zu normalisieren. Unter Vision Therapy versteht man, durch Übungen in der Praxis eines Optometristen, die das Ziel haben, Akkommodation und Konvergenz zu beeinflussen.

Pharmakologie

Sehr kontrovers wird der Einsatz von Atropin Tropfen diskutiert. Zwar zeigte sich im ersten Jahr ein deutlicher Effekt, jedoch wurde dieser nach längerer Zeit wieder aufgeholt. Zudem waren die Nebenwirkungen erheblich. Neu ist der Ansatz, mit nur 0,01 % Atropin zu arbeiten. Erste Ergebnisse scheinen vielversprechend zu sein, auch wenn dies derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Die Generation „Smartphone“ ist prädestiniert für eine Myopie. 

Myopie oder Kurzsichtigkeit

Myopie ist das, was wir landläufig eine Kurzsichtigkeit nennen. Kurz Entferntes kann man gut sehen, was weiter weg ist, wird unscharf. Wir von SICHTBETONT beschäftigen uns nicht nur damit, Ihnen Brillen oder Contactlinsen als Ausgleich anzupassen, wir schauen immer auch ein Stück weiter und kennen den Stand der Forschung. Und noch wichtiger: Wenn es etwas gibt, was Sie Ihren Augen bieten können, um länger gesund zu sehen, dann erfahren Sie dies von uns.

Risiken der Myopie

Viele Eltern sind besorgt, dass die Gläser ihrer Kinder immer dicker werden. Auch Erwachsene sehen die Abhängigkeit von der Brille oder den Contactlinsen als größtes Risiko der Kurzsichtigkeit. Für Optometristen und Ophthalmologen ist jedoch das mit zunehmender Myopie einhergehende Risiko für viele Augenerkrankungen das größte Risiko. Die Tabelle zeigt dies für zwei häufige Veränderungen: Auch ein Glaukom und der Katarakt zeigen ein deutlich höheres Risiko bei Kurzsichtigen. Daher ist die Kontrolle der Progression für alle Myopen, deren Kurzsichtigkeit zunimmt, ein wichtiger Aspekt der Augengesundheit.


Myopatie Risiken



Achtung Optometrie

Spezielle Sehprobleme: SICHTBETONT kümmert sich!

Sie leiden unter Anstrengungsbeschwerden, Ihr Sehen ist mit keiner Brille so wie Sie es wünschen, Ihre Kinder tun sich mit dem Lesen und Schreiben schwer oder Sie merken beim Sport, dass Sie sich nicht immer auf Ihre Augen verlassen können? Sie wollen wissen, wie leistungsfähig Ihre Augen auch in extremen Sehsituationen sind? Unsere umfassende visuelle Analyse gibt Ihnen Sicherheit.



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